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 Chrysostomus Gedicht

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Ferahamar
<~( 0.0 )~> Mega Muffin
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BeitragThema: Chrysostomus Gedicht   Do Aug 27, 2009 11:43 pm

Bin beim lesen meines Don Quixotes auf folgendes Gedicht gestoßen; ein Gelehrter, der später zum Hirten wurde, hatte Liebeskummer, und dies ist das letzte seiner vielen Gedichte bevor er sich das Leben nimmt.


Gedicht des Chrysostomus

Ich soll, du willst es, Schreckliche, verkünden,
Wie groß die Macht von deinem wilden Grimme,
Von Land zu Land, zu aller Menschen Zungen,

Zur Hölle selbst will ich die Wege finden,
Das Mitleid tönt von dort in meine Stimme,
Im Abgrund Trost zu suchen ist gelungen.

Mein wilder Wunsch hat es mir abgerungen,
Mein Leiden, deine Taten zu besingen.
Die Töne sollen laut die Luft durchschneiden,
Zu tiefrer Qual in allen Eingeweiden,
Im armen Busen seufzend wiederklingen.

So höre denn, und lausche meinen Tönen,
Kein sanftes Lied, ein Schmettern soll erdröhnen,
Sowie die Qual mir wühlt im innern Herzen,
Ein rascher Wahnsinn treibt heraus den Jammer,
Mir soll er Freude bringen, dir nur Schmerzen. -

Des wilden Wolfes schreckenvolles Ächzen,
Gebrüll des Löwen, gift'ger Schuppenschlangen
Entsetzliches Gezisch, du gräßlich Sausen

Von tausend Ungetüm, prophetisch Krächzen
Der Krähe, Sturm, wenn du die nassen Wangen
Der Fluten geißelst unter dumpfen Brausen:

Gegirr der Witwentauben in den Klausen,
Des Stiers Geröchel, den die Todeswunde
Zu eitlem Wüten ängstet, dumpf Gestöhne
Der gattenlosen Eule Klagetöne
Von jeder Schar im unterird'schen Schlunde,

O klingt, und helft mir meine Klagen weinen,
Dass alle sich zu einem Ton vereinen,
In wilder Freundschaft durch die Lüfte brechen,
Ein würd'ger Ausdruck meines Schmerzes werden,
Denn er darf nur in neuen Weisen sprechen. -

Nie schallten noch so laute Klagen wider
Am weiten Strand, bespült von Tages Wogen,
Wo Betis Wellen zwischen Blumen gleiten:

Doch tönten dort so viele Jammerlieder
Durch tiefe Höhlen, über Felsenbogen,
In unsrer Zeit, in längst entfloh'nen Zeiten:

Einsame, sichre Tale, o ihr weiten
Einöden, die kein Menschenfuß versehret;
Ihr unbesucht vom hellen Sonnenglanze,
Wo unter Unkraut nur die gift'ge Pflanze
Die Natter sich im feuchten Schatten nähret:

Du Widerhall in diesen Wüsteneien
Sollst auch mit mir in meinem Jammer schreien
Von ihrem unerhörten harten Sinne,
Dass ihn die ganze weite Welt erkundet
Wird mir statt längerm Leben zum Gewinne. -

Verachtung tötet, durch des Argwohns herben
Heimtück'schen Frost muss die Geduld erstarren,
Und scharfe Schwerter sind Verdacht und Höhnen:

Der Liebende muss an der Trennung sterben:
Nie wird die Hoffnung seiner jemals harren,
Wenn er sich einmal muss vergessen wähnen.

Hierin sind stets gespannt des Todes Sehnen;
Doch ich - o seltnes Wunder! - bleibe leben,
Verschmäht, verhöhnt, voll Argwohn, überführet
Von dem, wo sonst Verdacht wie Tod berühret;
Und im Vergessensein, des Flammen um mich weben

Und unter allen Martern lässt das Hoffen
Mir nach dem Lichte keine Spalte offen:
Verzweifelnd will ich nie die Hoffnung hören;
Und wenn mich nicht der Gram ermordet, will ich
Stets ohne ihren Trost zu leben schwören. -

Wer kann zugleich in einem Augenblicke
Doch hoffen und auch fürchten? o des Toren;
Wenn alles nur gerechte Furcht begründet!

Tritt nun die Eifersucht von mir zurücke,
Soll ich die Augen schließen? ist sie mir verloren,
Wenn sie in jedem Schmerz den Eingang findet?

Wie wehr' ich, dass nicht jedes Gut verschwindet,
Wenn die Verachtung unverhüllt muss sehen?
Wenn ich den Argwohn will bestätigt schauen,
Dass ich ihm muss wie fester Wahrheit trauen?
Soll ich als Lügnerin die Wahrheit schmähen?

Mit Tyrannei sonst Eifersucht gebietet:
Ha! Dolche reich' der Hand, die unnütz wütet;
Gib mir das Seil, Verachtung! in die Hände.
Ich Unglücksel'ger! fürchterlich besieget
Verbittert dein Andenken auch mein Ende. -

Ja sterben will ich, alle Hoffnung fliehen,
Nicht Trost im Tode suchen, nicht im Leben,
Und meinen festen Glauben fester fassen.

Ich sehe dich für einen andern glühen,
Du hast dein freies Herz dem Gott ergeben,
Der niemals noch sein altes Reich verlassen;

Ich sage, ja, du magst mich immer hassen,
So wie dein Körper schön ist deine Seele,
Dass du mich schmähst, ist ach! nur mein Verschulden,
Dass ich der Liebe Schmerzen muss erdulden,
Mein Herz in ewig wachen Martern quäle.

Ein scharfer Dolch und dieser feste Glauben
Wird endlich mir dies läst'ge Leben rauben,
So weit hat deine Schmach mich lassen flüchten,
Das Grab empfange Körper dann und Seele,
Ich will auch jedes künft'ge Glück vernichten. -

O du, die wortelos in dem Verachten
Mich Worte lehrst, mich zwingst, so zu beginnen,
Dass ich im Blute meines Herzens wüte:

Ich richte jetzt dahin mein letztes Trachten.
Zu zeigen dir mit Herz und allen Sinnen.
Wie fröhlich ich mich deiner Härte biete:

Rührt dich mein früher Tod, o so behüte
Den hellen Himmel deiner süßen Blicke,
Dass keine Träne ihren Schimmer trübe,
Ich will von dir kein Zeichen einer Liebe,
Ich weise jedes Mitleid nun zurücke.

Nein lache, wenn die Botschaft du vernommen,
Dass jeder sieht, wie froh sie dir bekommen.
Doch wahrlich braucht's kein Lachen kund zu geben,
Es weiß ein jeglicher von deinem Ruhme,
Dass du so früh geendigt mein Leben. -

So kommt, die Zeit ist da, aus tiefen Gründen,
Du Tantalus verschmachtend, von dem Pfade
O Sisyphus mit deiner Felsenmasse,

Bring Tithyus deinen Geier, dich soll finden
Mein Blick, Ixion, mit dem schnellen Rade,
Die Schwestern emsig bei dem leeren Fasse.

Verbunden dann mit den Verdammten, lasse
Ich meine Klagen aus, mit stillem Leide
Vereinen sie sich all mit mir im Singen
Dem Körper Totenopfer darzubringen,
Dem Unbegrabenen, ohne Totenkleide.

Der Wächter, der finstre Hölle schirmet,
Und tausend andre Larven aufgetürmet,
Sie heulen dann die trauervollen Chöre,
Genug dem Liebenden, im Gram gestorben,
Denn er verdient nicht größre Totenehre. -

Beklagt euch nicht, verzweifelnde Gedichte,
Dass ich euch auch mit mir zugleich vernichte,
Denn ihr vergrößert wie mein Tod das Glücke
Von der, die nur beseligt wird durch Jammer,
Drum ohne Klagen geht ins Nichts zurücke. -
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